BDSM: Meine Erste Playparty

Ich war noch nie zuvor auf einer Playparty. Und ich war auch noch niemals zuvor in einem Swinger-Club. Ich wollte das immer mal ausprobieren, aber bisher hatte sich noch kein Partner gefunden, der das auch tatsächlich machen wollte. Und dann also der Abend, der das gleich alles miteinander kombinierte. Wow. Doch lest selbst.

Dies ist wieder meine Version der Geschehnisse, die Dilara hier beschrieben hat.

„Bis zum 30. August wirst du nicht mehr auf Joy unterwegs sein.“ sagte Dilara eines Tages zu mir.

„Warum? Was ist denn da?“ fragte ich, neugierig wie ich nun mal bin.

„Das wirst Du schon noch sehen.“

„Ich bin aber doch so neugierig“, maulte ich.

„Ist das mein Problem?“

„Och Menno!“

„Ach so, und du wirst Dir gescheite Schuhe kaufen. Mit mindestens 5cm Absatz.“ sagte sie.

Ach ja. Da war es wieder, mein Problem mit den Schuhen.

Wir saßen eines Abends Mitte Juni zusammen mit einem gemeinsamen Freund aus Berlin und seinem Hund auf der Terrasse bei Schatzi und alberten herum. Irgendwann kam die Sprache auf das Thema Enthaarung. Und ich weiss nicht, warum, aber alle hatten sie ihren Spaß. Besonders der Herr aus Berlin und Dilara. Und alle waren sich irgendwann einig, dass ich mich für die nächste Playparty zu enthaaren habe. Sie malten mein Dilemma in allen Einzelheiten aus. Und da ich eine sehr bildhafte Fantasie hatte, tat mir meine Brust damals schon weh. Verdammt. Ich bin mir absolut sicher, dass in dem Herrn aus Berlin eine ganz fantastische Domse steckt. Mindestens eine. Menno!

Auf jeden Fall wurde da festgelegt, was ich alles für dieses ominöse nächste Mal zu tun habe. Ich sollte mir wirklich mal angewöhnen, meine Klappe etwas weniger weit aufzureissen.

Irgendwann hatte ich drei paar Schuhe geliefert bekommen, die ich auch sogleich anprobierte. Das erste Paar passte mir, wie gehofft so überhaupt nicht. Ich bekam sie zwar über meine Zehen drüber, aber der Rest des Fußes wollte nicht so recht passen. Beim zweiten Paar handelte es sich um Tanzschuhe, wie ich von Dilara erklärt bekam, sie sahen äußerst instabil aus und passten mir glücklicherweise auch nicht. Das dritte Paar… Nun, also, das sah richtig gut aus. Es handelte sich zwar um eine Art Plateau-Schuhe, das sogar insgesamt 8cm Absatz hatte, aber sie passten mir wie angegossen.

Ich stöhnte innerlich auf. Darin sollte ich jetzt laufen können? Kann ich die nicht einfach nur für’s Bett anziehen?

„Los! Aufstehen! Hopp-Hopp!“ kommandierte mich Dilara ganz herzlos herum.

Ich stöhnte innerlich auf und versuchte aufzustehen. Und es klappte auf Anhieb ganz gut, wie ich feststellen konnte.

„Töröööööh…“, machte Dilara hinter mir und kicherte.

Nun, ich wackelte vielleicht ein wenig. Und ja, ich machte meine ersten Schritte auch wie ein Kind, das zum ersten Mal lief. Und dieses Gefühl, wie auf Stelzen zu laufen, machte es auch nicht unbedingt besser. Aber ich ging ein wenig auf und ab und es wurde immer besser.

„Du siehst richtig gut aus“, meinte Dilara mit einem glitzern in den Augen.

Ich posierte ein wenig und Dilara machte Fotos von mir. Ich musste gestehen, dass der Typ auf den Fotos richtig interessant aussah. Und wenn er etwas weniger Haare auf Brust und Beinen hätte… nun ja.

Ich lief wie empfohlen ganz viel auf und ab und fühlte mich wie eine Film-Diva auf dem Roten Teppich. Ich übte mich im majestätischen Lächeln und Winken, worüber sich Dilara köstlich amüsierte. — Nur das mit dem grazilen Hüftschwung fehlte noch gänzlich. Aber zuerst das gerade Stehen und dann das laszive Schwingen.

Irgendwann stand ich nur in Unterwäsche und in den Schuhen in der Küche, um einen Tee zuzubereiten, als Dilara hinter mir erschien. Ich drehte mich um und stellte fest, dass ich sie mindestens um einen Kopf überragte.

„Schau mir in die Augen, Kleines!“ sagte ich aufmüpfiger Sub. Und dazu noch irgend etwas, an das ich mich leider nicht mehr erinnern kann.

Jedenfalls stand ich plötzlich breitbeinig mit den Händen auf der Küchenzeile abgestützt dort und verspürte den einen oder anderen Schlag mit dem Kochlöffel auf den Innenseiten meiner Oberschenkel.

„Aua!“ sagte ich. Mehr als einmal. „Hör bloss nicht auf!“ auch das sagte ich mehr als einmal.

Und dann spürte ich, wie sie irgend etwas mit einem scharfen Gegenstand in meinen Rücken ritzte und dann spürte ich ihre Hand an meinem Schwanz und hörte sie mich auffordern: „Komm! Komm für mich! Jetzt! Das ist deine einzige Gelegenheit.“

Es ist nicht so, dass ich nicht gewollt hätte. Vielmehr rutschte ich im gänzlich unpassenden Moment mit den Schuhen über die Küchenfliesen nach hinten weg und musste mich ziemlich festhalten, um nicht auf die Nase zu fallen. An ein Kommen war da so nicht mehr zu denken. Aber Dilara hielt mich fest und geleitete mich ins Schlafzimmer, zog mir die restlichen Klamotten aus und half mir, mich von den Schuhen zu befreien. Dann warf sie sich auf mich und blies mich, während ich ihren wundervollen Arsch im Gesicht hatte. Und was wäre ich für ein Sub, wenn ich meiner Mylady in diesem Moment nicht alles gegeben hätte, was ich so zu geben im Stande war?

Später – ich konnte nicht mehr sagen, wieviel Zeit verflogen war, aber am Grad meines Schielens würde ich vermuten, dass es ziemlich viel Zeit war – zog mich Dilara ins Bad, um ihr Werk im richtigen Licht zu betrachten. Sie zeigte mir, dass sie mit einem Messer an mir gespielt hatte. Und sagte mir mehrmals, wie stolz sie auf mich war. Es hätte ja soviel passieren können, meinte sie. Aber ich sei ruhig geblieben. Natürlich bleibe ich ruhig. Erstens weil ich dir völlig vertraue und weiss, dass Du nichts machen würdest, was mir wirklich schaden würde. Und zweitens, weil das doch ganz schön gezwiebelt hat.

Sie machte Fotos von ihrem Werk und zeigte sie mir. Ich besah die Striemen auf meinem Rücken. Und vier davon beschrieben ein wunderschönes großes M.

„Steht das M jetzt für Mylady oder für ‚Meiner‘?“ fragte ich.

„Ja“, kam die Antwort.

„Aha“, machte ich. „Aber müsste da jetzt nicht SM stehen, für ‚Super-Mylady‘?“

„Du bist ein süßer Spinner!“ antwortete sie lachend. Aber ich wusste, dass sie da ernsthaft drüber nachdachte.

Die Tage vergingen, der August nahte und Dilara wollte mal wieder einen Abend bei Schatzi verbringen. Das traf sich sehr gut, denn ich wollte auch mal wieder einen Abend bei Schwesterchen verbringen. Wir hatten uns viel zu erzählen und es war schon wieder so lange her, dass wir uns direkt getroffen hatten. Das letzte mal war zur BoundCon. Und das war ja nun wirklich schon wieder verdammt lange her.

Ich machte noch ein paar Besorgungen und fuhr raus zu ihr. Sie begrüßte mich gleich auf ihre stürmische Art, die ich so gern mag und es vergingen kaum fünf Minuten und wir saßen beieinander und lachten und lachten und lachten. Es war herrlich.

Irgendwann meinte sie: „Sag mal, hast Du eine Ahnung, wo Schatzi und Dilara mit uns Ende August hin wollen?“

„Ach, Schatzi und du kommen auch mit? Das wusste ich gar nicht.“ sagte ich. Und ich wusste es wirklich nicht. Aber das doofe war, das nicht mal Schatzi ihr etwas erzählt hatte. Verdammt. Neugier, oh Neugier, du bringst mich noch mal ins Grab.

„Ich bin verdammt neugierig, weisst Du das?“ sagten Schwesterchen und ich unisono. Und das reichte aus, dass wir einen weiteren Lachflash bekamen.

„Wir machen uns hier kirre und am Ende gehen wir in die Oper“, sagte ich.

Schwesterchen lachte. „Ich soll mich aber sexy anziehen.“

„Und ich soll mein Fell auf Brust und Bauch weg machen und in hochhackigen Schuhen kommen“.

„Macht man das so, wenn man als Paar in die Oper geht?“

„Keine Ahnung, ich war noch nie in einer Oper.“ sagte ich.

„Ich glaube nicht“, kicherte sie.

Später standen wir gemeinsam vor ihrem Spiegel im Wohnzimmer. Sie zeigte mir ein paar richtige hochhackige Schuhe. Ich war nur froh, dass meine mehr Absatz hatten, als ihre. Denn ihre waren dünner als eine Kanüle beim Arzt, mit der Blut abgenommen wurde.

„Du kannst damit laufen? Ernsthaft?“ ich war schockiert.

„Ja klar!“ und zum Beweis zog sie sie an und trippelte ihren Flur auf und ab.

„Puhhh…“, sagte ich. „Aus mir wird wohl nie eine richtige Film-Diva werden.“

„Übung, mein Lieber. Da hat Dilara recht. Du musst üben, üben, üben…“

„Jaaahaaaa“, machte ich.

„…üben, üben, üben…“

Und wir gackerten wieder.

Der Rest des Abends verlief wunderschön. Neben Lachen und herumblödeln konnten wir auch sehr tiefsinnige Gespräche miteinander führen. Und diese Mischung gefiel mir sehr. Wir machten auch einige Versuche – hatte ich bereits erwähnt, dass wir beide ziemlich durchgeknallt sind? Und dass es besonders schlimm war, wenn wir zusammen an einem Ort waren? Nein? Nun, dann sollte ich vielleicht noch ein paar Episoden von diesem Abend beschreiben.

„… und das hier sind meine Kerzen.“ sagte sie, als sie mir ihren Schrank mit ihren diversen Utensilien zeigte.

„Aha?“ antwortete ich.

„Das sind besondere Kerzen.“

„Aha. Sie sind lila, weiss und schwarz und rot.“

„Doofie. Das sind Kerzen für Wachsspiele!“ rief sie lachend aus.

„Ach so. Ja, so eine hat mir Dilara mal geschenkt. Sie steht bei mir zu Hause im Schrank.“

„Hast du das schon mal ausprobiert?“ fragte sie mich.

„Nein. Wir sind bisher noch nicht dazu gekommen.“ antwortete ich. „Aber da ich Feuer und vor allem Wachs liebe, würde ich das sehr gern einmal ausprobieren.“

„Komm mal mit.“ sagte sie und führte mich wieder zurück in die Küche, nahm sich das Feuerzeug und zündete eine der Kerzen an, wartete ein wenig und ließ dann etwas Wachs auf ihren Unterarm tropfen. „Schau?“

„Aha.“

„Du hörst dich nicht begeistert an“, sagte sie und schnappte sich meinen Unterarm und ließ dort etwas Wachs drauftröpfeln. „Und?“

„Oh…“

„Gell?“

„Oha!“

Sie lachte wieder. „Und das jetzt an… anderen Stellen.“ sie kicherte.

„Ehm…“ machte ich.

„Ja?“

„Ich muss dringend mal mit Dilara reden!“

Sie lachte wieder. Es war einfach schön mit ihr.

An anderer Stelle wiederum zeigte sie mir ihre Carbon-Stäbe. Und wir unterhielten uns fachmännisch darüber, welche Stärke jetzt wie und wo weh tut. Sie zog sie sich über den Oberschenkel und ich mir über den Unterarm.

Klack-Klack-Klack-Klack! Machte es. Immer mal wieder unterbrochen von dem einen oder anderen „Aua! Verdammt!“

Und so standen wir vor ihrem Spiegel, verhauten uns, gackerten und fluchten mal mehr mal weniger leise vor uns hin und sagten mehr als einmal, dass wir vielleicht endlich mal etwas leiser sein sollten, damit die Nachbarn schlafen könnten.

Die letzten Tage vor dem besagten Event teaste mich Dilara via Twitter. Und das ganz schön fies… Sie heizte meine Neugier damit noch weiter an und es war einfach wunderschön. Nach all den schwierigen Wochen davor tat das einfach nur gut. Am Abend vor dem Event empfing ich sie in voller Montur (wobei Montur hier aus Slip und Halsband bestand), inklusive Stiefeln und lackierten Fingernägeln. Sie öffnete die Haustür, rief mich und ich versuchte so grazil wie möglich zu ihr zu kommen. Zuerst nahm ich sie als Partner in die Arme, begrüßte sie. Und dann kniete ich mich als ihr Sub vor sie hin und zog ihr ihre Schuhe aus. Oder war es umgekehrt?

Das gefiel ihr ungemein gut. Und mir auch.

Am nächsten Tag ging das mit dem Teasen noch weiter. Ich sollte unsere Spielzeuge inklusive Nippelklemmen einsammeln und in ihren schwarzen Domsen-Rucksack packen und sie vorher noch ansprechend fotografieren und auf Twitter stellen. Das waren alles Aufgaben, die ich natürlich äußerst gern erfüllte. Doch keine Oper? fragte ich mich.

Ihre letzte Aufgabe kam dann auch über Twitter. Und als wenn ich es gewusst hätte, die Aufforderung dazu kam mehr oder weniger zeitgleich, als ich mich eben über jenes Thema mit einem anderen Twitterer austauschte.

„Es ist an der Zeit… Du besorgst Dir jetzt einen Keuschheitsgürtel“.

Ich stöhnte auf. Und der Twitterer lachte und schickte mir ein GIF: „You’re doomed“.

Danke.

Dilara kam später am Nachmittag heim. Ich war bereits geduscht und eher weniger als mehr angezogen, denn sie hatte versprochen, dass ich ihr beim Enthaaren helfen durfte, wenn ich meine Fingernägel zu ihrer Zufriedenheit lackiert hätte. Und dass dem der Fall war, wusste ich seit dem Tag davor.

Ach ja… und außerdem hibbelte ich ziemlich aufgeregt vor mich hin.

„Wir werden heute gegen 20:00 Uhr abgeholt“, sagte sie.

„Oh? Kommt Schatzi jetzt doch mit?“ wagte ich zu fragen. Doch eine Oper?

„Da sag ich weder ja noch nein.“

Och menno...

Auf jeden Fall durfte ich mir meine Belohnung vom Tag davor noch abholen. Und diese bestand darin, dass ich sie intim rasieren durfte. Ich mag das ja. Besonders das spätere Einölen an eben jenen Stellen. Und – nun ja – vielleicht auch noch etwas mehr. Allerdings hatten wir leider nur wenig Zeit, so dass sie mich fragte, ob sie es dieses Mal doch selbst machen dürfe. Da die Zeit wirklich rasend schnell voran schritt, hatte ich nichts dagegen, mich dieser meiner bereits angeregten Fantasie, ein nächstes Mal zu widmen. Aber ausführlichst. Sehr ausführlichst.

Ich schlüpfte in meinen mittlerweile viel zu weiten (und irgendwo auch viel zu langen) Rock, zog meine Stiefel an, bewunderte Dilara in ihrem rattenscharfen Outfit, machte Fotos von ihr und dann hörten wir auch schon das charakteristische Knattern des Motors von Schatzi’s Auto. Und kurze Zeit später stand er im schwarzen Anzug mit schwarzem Hemd (ach ja, du solltest dir zu diesem tollen Anzug auch noch passende Schuhe suchen) zusammen mit Schwesterchen in ihrem ebenso rattenscharfen Outfit vor uns.

Wir begrüßten uns und dann fuhren wir in meinem Auto zur Veranstaltung. Schwesterchen und ich aufgeregt gackernd auf den Rücksitzen und Schatzi mit Dilara vorn. Allein diese Konstellation hatte etwas ungemein lustiges.

„Die beiden da hinten führen sich auf wie kleine Kinder, findest du nicht auch?“ hörte ich irgendwann Dilara zu Schatzi sagen.

„Ruhe dahinten“, meckerte Schatzi.

„Wann sind wir denn endlich dahaaaa?“ fragte ich.

„Wenn wir angekommen sind!“ kam die Antwort.

„Und wann werden wir angekommen sein?“ fragte ich.

„Wenn wir da sind.“

Menno.

Und dann waren wir endlich da.

Wir stiegen aus dem Auto aus. Ich bekam von Schwesterchen noch Tips, wie ich das möglichst elegant machen konnte. Also anders, als zum Café Bizarre, wo ich mehr oder weniger auf allen Vieren aus dem Auto gekrochen bin, weil ich noch auf dem Rock sitzend nicht aus dem Auto rauskam. Und dann zogen die beiden Damen ihre keuschen Überwürfe aus und wir machten uns die dunkle Strasse entlang auf zum Ort des Geschehens.

Das Lilith! Dachte ich. Darüber hatten Dilara und ich uns schon mal unterhalten. Wir gehen also definitiv nicht in eine Oper. Ich besah unser aller Outfit und bis auf Schatzi war niemand wirklich für eine Oper gekleidet. Ich musste kichern bei dem Gedanken daran, wie es wohl wäre, wenn wir so in die Oper gingen.

Wir betraten den Club, Schatzi und Dilara zahlten den Eintritt und dann ging es erst mal in die Umkleide. Dort kniete ich mich dann vor Mylady hin und empfing mein Halsband, zusammen mit der Leine. Dieser Moment ist immer etwas ganz besonderes für mich. Denn genau in diesem innigen Augenblick, da ich vor ihr kniete, ihr in die Augen schaute und sie mir das Halsband umlegte, da schalteten sich meine Gedanken aus. Sorgen, Probleme, Nöte aus dem Alltag, alles trat in den Hintergrund und machte Platz für tiefstes Vertrauen in sie. Für Hingabe von beiden Seiten, Geborgenheit, Lust. Es galt nur noch das Hier und Jetzt. Sie und ich. Ich unterwarf mich ihr. Freiwillig. Aus ganzem Herzen.

Als ich wieder aufstand und sie mich küsste, war ich ein anderer Mensch.

Anschließend schauten wir uns die verschiedenen Zimmer an. Es gab für jeden Geschmack etwas. Wir blieben in einem der Spielzimmer hängen. Dort spielte ein Dom mit seiner Sub am Andreaskreuz. Und auf der anderen Seite versuchte ein etwas älterer Herr sein Bunny zu fesseln. Ich hatte mittlerweile bereits ein paar Rigger (und solche, die es gern wären) dabei zuschauen können. Und einige verstanden ihr Fach und ich konnte ahnen, wie innig das sein konnte. Dieser hier allerdings verstand bestimmt etwas davon. Immerhin konnte er das Seil halten, ohne sich zu verheddern und damit war er meinem eigenen Können schon Lichtjahre voraus. Aber Lust machte es nicht, ihm zuzuschauen. Eher ertappte ich mich einige Male dabei, ihm zu zeigen, wie er mit seinem Bunny umgehen sollte, damit überhaupt so etwas wie Erotik zwischen ihnen aufkeimen konnte.

Aber die Frau am Andreaskreuz. Puhhh… das war höchst ansehnlich. Und erotisch. Sie war klein, sehr durchtrainiert und man konnte ihre Muskeln spielen sehen, wenn sie sich bewegte. Ich schaute zu Mylady auf (ich kniete zu ihren Füßen) und raunte ihr zu: „Bitte, spiele so mit mir! Ich möchte dich stolz machen! Ich will den anderen zeigen, wie ein männlicher Sub von seiner heißen Mylady bespielt wird.“

Sie schaute mich an und in ihren Augen erkannte ich, dass sie ähnlich dachte. Und dass sie der Gedanke daran faszinierte.

Es dauerte aber noch etwas, bis wir miteinander spielen konnten. Ich hibbelte dem Augenblick entgegen. Aber dann war es soweit. Das Andreaskreuz war frei, der Raum leer. Ich besah mir das Kreuz. Ja! Endlich! Alles in mir schrie lustvoll auf. Und ich war dankbar, diesen Moment mit ihr erleben zu können.

Sie fixierte mich mit den Armen. Ich flüsterte ihr noch zu, dass sie mir gern den Rock ausziehen und mich nackt bespielen dürfe. Ich wusste nicht, warum ich plötzlich diese Gelassenheit diesbezüglich hatte. Aber es kam mir irgendwie unpassend vor, wenn ich nur mit freiem Oberkörper dort stehen würde. Ich wollte ihr alles geben. Und außerdem wusste ich, dass man mir mein Training über die letzten Wochen ansehen konnte.

Ich sah Erstaunen in ihren Augen und sie fragte ebenso leise nach: „Bist du sicher?“

Ich nickte.

Also half sie mir, mich vom Rock zu befreien. Und so stand ich am Kreuz, die Arme gefesselt, breitbeinig. Und die einzigen Kleidungsstücke bestanden aus meinen Schuhen und dem Halsband. Mein Oberkörper glänzte noch vom Öl. Und dann verband sie mir die Augen mit meiner Leine, so dass ich nichts mehr sehen konnte. Dafür aber hören. Und schmecken. Und riechen.

Und dann folgte der erste Schlag mit ihrem Flogger. Und das Tier in mir brüllte auf. Stärker, gewaltiger und schneller als jemals zuvor. Ich packte die Haltegriffe am Andreaskreuz, reckte ihr meinen Arsch entgegen. Kokettierte, lockte sie. Und wurde sofort mit den nächsten Schlägen belohnt. Ich tanzte im Takt der Schläge. Mal brüllte ich auf, mal schrie ich, wenn der Schmerz gar zu heftig wurde.

Und alles um mich herum verlor an Bedeutung. Es gab nur noch sie. Meine Mylady. Meine starke, harte, wundervolle und geliebte Mylady.

Nach ein paar weiteren Schlägen war das Tier in mir frei. Mein Geruchsinn war ums Hundertfache stärker. Meine Ohren nahmen das kleinste Geräusch auf. Wenn ich meinen Mund öffnete, dann konnte ich mit der Zunge die gespannte Atmosphäre um mich herum schmecken. Ich bemerkte irgendwann, dass uns andere zuschauten, ich spürte ihre Anwesenheit. Ich roch ihre Geilheit auf meine Mylady und auf unser Spiel, auf mich. Ich spürte den Neid der anderen, dass hier ein männlicher Sub von seiner heissen Frau bespielt wurde. Und dieser Neid, er macht mich stolz. Er trieb mich weiter an, machte das Tier in mir rasend.

Ich wusste immer ganz genau, wo sich Mylady befand. Ich roch sie. War das ein Tropfen ihres Schweisses? Ich hörte sie. Das ist das warme rhythmische Klopfen ihres Herzens. Ich spürte sie neben mir. Hinter mir. Das ist ihr Körper. Ihre Wärme. Ihre Hitze. Das ist sie.

Manchmal, wenn mich der Carbon-Stab traf und der Schmerz in meinem Gehirn ankam, dann schrie ich auf und schaute sie durch meine Augenbinde hindurch an, wollte sie beissen, mich auf sie werfen, ihr die Kleidung vom Leibe reissen. Aber ich war fixiert. Ich konnte nicht. Ich konnte dafür das Tier in mir freien Lauf lassen. Es bellen lassen. Es rasen lassen. Brüllen. Toben.

Ich versuchte mich ein paar mal zu befreien. Ich zerrte an meinen Fesseln, zog mich an den Griffen hoch, stiess mich wieder ab, bot mich ihr an und tanzte.

Und dann hörte ich die leise Stimme von Mylady, die mir sagte: „Näher mit den Beinen ans Kreuz!“

Ich tat, wie mir befohlen. Zerrte wieder im Takt der Schläge am Kreuz, zog mich wieder hoch, hörte wieder Mylady, wie sie mich mit ihrer gutturalen Stimme anzischte: „Zieh dich da nicht hoch. Lass das!“

Das Tier heulte vor Wut, vor Lust. Es sabberte, es geiferte. Rasend wollte es sich wieder auf sie stürzen. Aber ihre Stimme, ihre Präsenz und nicht zuletzt ihr Flogger bändigten das Tier wieder.

Bis zu den nächsten Schlägen.

Und dann eine kurze Pause und ich hörte Mylady hart zischen: „Nein, danke! Verzieh Dich!“

Was warrr da llllosss? grollte das Tier in mir. Ich fühlte, dass jemand zu uns gekommen war. Ich spürte, dass es ihr unangenehm war, dass sie es als Bedrohung aufnahm. Und diese Wut in mir auf diese unbekannte Person, die da unsere Kreise gestört hatte, die Mylady belästigt hatte, wurde größer. Wäre ich in dem Moment frei gewesen… puh, ich weiss nicht, wie ich reagiert hätte. Auf jeden Fall zeigte mir das Tier Möglichkeiten, die mich irgendwie erschraken aber hinterher kichern ließen. Ein von mir zerbrochenes Andreaskreuz spielte dabei eine große Rolle.

Sie spielte weiter.

Dann war plötzlich Ruhe. Ich sah auf – ohne zu sehen – ich lauschte, saugte tief die Luft ein, schmeckte sie und wusste, dass Mylady sich gerade von mir entfernt hatte. Ich ’sah‘ sie sich über ihren Rucksack beugen und etwas herausholen, das ich fürchtete. Ich hörte das Rasseln der feinen Glieder der Kette. Und dann spürte ich, wie sie wieder zu mir kam, fühlte ihre Nähe, labte mich an ihrer Gier, ihrer Hitze, ihrer eigenen Lust. Und dann spürte ich ihre Hände auf meiner nackten Brust. Sie streichelten mich, packten meine Nippel, zwirbelten sie. Und ich fühlte die Kälte der Kette und spürte ihren Versuch, sie an meinen Nippeln mit den Klemmen festzumachen. Ich schrie auf, obwohl die Klemmen gleich wieder herunterfielen.

„Du stellst dich aber ganz schön an, nur wegen dieser kleinen Dinger“, flüsterte sie.

Das Tier in mir antwortete, bevor ich die Kontrolle übernehmen konnte und schnauzte sie an: „Wenn du sie so gern magst, dann mach sie halt an deine eigenen Nippel.“

Ich war selbst überrascht von meiner Reaktion. Hätte ich gekonnt, hätte ich mir den Mund zugehalten. Aber dieser Drang, in diesem Augenblick genau das zu sagen, war zu groß gewesen. Und nach einer Schrecksekunde lachten wir beide. Sie streichelte mich, küsste mich, warf diese schrecklichen Dinger zurück zu ihrem Rucksack und spielte einfach weiter.

In diesem Moment und genau dafür liebte ich sie. Sie wusste, wie weit sie gehen konnte. Und sie nahm mir diesen Fauxpas auch nicht übel, sondern lachte einfach und machte weiter, als wenn nichts gewesen wäre.

Irgendwann hörte sie auf, kam wieder näher zu mir, flüsterte mir ins Ohr, besänftigte das Tier, so dass es zu schnurren anfing und sich einfangen ließ. Sie streichelte mich, küsste mich, sagte mir, wie verdammt stolz sie auf mich war. Ich spürte, wie sie mir die Augenbinde abnahm. Dann sah ich sie. Und ihre Augen strahlten mich an.

Und ich wusste, es hatte ihr gefallen. Ich hatte ihr gefallen.

Wir gingen in einen der abschließbaren Räume mit kleinen Fenstern zu dem Flur, um uns zu fangen und zu halten. Ich merkte ziemlich schnell, dass ich wieder ganz bei mir war, dass ich sowohl gehen konnte (wenn auch etwas wackelig), als auch reden. Auch wenn das Tier in mir jammerte, es hätte gern noch viel mehr getanzt und wäre auch jetzt noch ganz gern frei, so war es doch – leicht erschöpft – beruhigt und ließ sich freiwillig einfangen und an die Ketten legen. Ich hörte es bald darauf schnarchen. Total animalisch natürlich.

Wir setzten uns auf die Pritsche und stellten fest, dass wir die Handtücher im Spind vergessen hatten. Dilara stand auf, um sie zu holen und fragte mich, ob ich dort sitzen bleiben könne, bis sie wieder da sei.

Natürlich kann ich hier sitzen. Und wenn du das wünscht, kann ich mich auch zusammen rollen und liegen bleiben.

Während sie weg war, merkte ich erst, wie erschöpft ich war. Doch als sie wieder bei mir war, den Raum hinter sich abschloss, wir die Handtücher über die Pritschen legten und wir uns die Schuhe auszogen, also da wachte auch wieder das Tier auf. Ich zog Dilara an mich, wollte sie küssen und sie berühren, doch da merkte ich, wie sie sich verkrampfte.

„Du möchtest nicht, dass ich dich berühre?“

Sie schüttelte den Kopf.

Ich atmete tief durch und beruhigte mich. Das Tier legte sich wieder hin und schnarchte weiter. Wir hielten uns eine zeitlang nur in den Armen, redeten miteinander und lachten über manch eine skurrile Situation. Ich fragte sie, was denn da los gewesen war, warum sie so laut „Nein, Danke!“ gesagt hatte. Und sie erklärte mir, dass sie da jemand angefasst und mit ihm zum Spielen aufgefordert hätte. Mit einem Mal war das Tier wieder wach und ich hatte einige Mühe, es zu besänftigen. Und zu Dilara sagte ich: „Du hast fantastisch reagiert! Du bist super! Ich bin stolz auf dich!“ — Denn ich wusste ja, wie schwer es ihr fiel, nein zu sagen. Und ich wusste, dass die Reaktion vom Tier in mir eher kontraproduktiv für diese Situation gewesen wäre. Das war etwas, das sie allein lösen musste. Und gelöst hatte. Und wie sie es getan hatte. Ich platzte vor stolz auf sie.

Und dann fragte sie mich: „Wie geht es dir?“

„Sehr gut.“ antwortete ich. Und dann leise, ganz leise: „Aber ich bin scharf auf Dich.“

Sie lächelte mich an, küsste mich zärtlich und nahm meinen harten Schwanz in die Hand. Sie blies mich. Und es dauerte nicht lange, bis ich kam. Dadurch, dass ich die Tage davor keusch bleiben musste, hatte sich einiges angestaut. Und – nun ja – ich würde nicht so weit gehen und behaupten, dass wir in dem Raum ertranken. Aber das laute befreiende Lachen von Dilara als ich kam, zeigte mir, dass diese Behauptung beinahe zutraf.

Ich benötigte ein paar Minuten, um wieder klar zu denken. Wir kuschelten uns aneinander, kicherten ein wenig vor uns hin und ich stellte mir vor, wie schön es wäre, ihr hier und jetzt für alles, was sie an diesem Tag und an den Tagen davor für mich getan hatte, zu danken. Und zwar intensivst zu danken. Aber das würde warten müssen, bis sie es zulassen konnte. Doch dann, dann werde ich Dir danken. Ausführlichst. Das verspreche ich dir.

Wir zogen uns wieder an und gingen zurück in den Hauptraum. Ich besorgte uns beiden Getränke und wir setzten uns in eine Ecke und warteten auf Schwesterchen und Schatzi, die erst nach einer halben Ewigkeit auftauchten. Wir waren quasi die letzten Gäste und wurden mit dem Besen rausgekehrt.

Ich fuhr uns heim, während es hinter und neben mir ziemlich still wurde. Wir waren alle erschöpft und glücklich. Es war ein fantastischer Abend gewesen. Ich bin über meine Grenzen hinaus gegangen und war stolz auf mich. Aber besonders freute es mich, dass Dilara diesen Typen so verjagen konnte. Diese Erfahrung war wichtig für sie, denn es offenbarte ihr ihre eigene Stärke, zeigte ihr, was sie zu tun imstande war. ‚Nein‘ zu sagen klingt nicht nach viel. Aber ich wusste aus eigener Erfahrung, dass es viel Kraft kostete, wenn es die eigene Person betraf. Und Dilara hatte es an jenem Abend gleich zwei mal geschafft. Ich war unendlich stolz auf sie.

Als wir bei Dilara zu Hause ankamen, verabschiedeten wir uns von Schatzi und Schwesterchen, die mich fest umarmte und mir irgend etwas auf russisch sagte, das ich nicht verstand. Ich hörte sie nur immer wieder „Spasibo“ sagen. Also bedankte sie sich ganz herzlich für den schönen Abend bei mir. Und dann nahm ich Dilara in die Arme, drückte sie ganz eng an mich, küsste sie, dankte ihr, zeigte ihr den klaren Sternenhimmel über uns und hielt sie einfach nur fest.

So standen wir noch eine ganze Weile da. Eng umschlungen unter dem Sternenzelt.

„Ich liebe dich“, flüsterte ich ihr ins Ohr.

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